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frankfurt. welt.

Eintönigkeit.

Beflügelt vom Erfolg der ersten Woche, dachte ich, dass mir nichts passieren kann. „Das wird einfach!“, sagte ich mir. Womit ich nicht gerechnet habe: Meine Selbsterschwerung (vegan) fiel mir wirklich schwer, vor allem in Kombination mit meinem Arbeitstag. Jeden Tag Brot mit veganem Aufstrich. Puh. Es hing mir ziemlich schnell zum Hals raus, Vielfalt hin oder her. Die Konsistenz bleibt nunmal. So gut es auch schmecken mag, es ist auf Dauer einfach total unaufgeregt.

Die Auswahl an pflanzlichen Aufstrichen im örtlichen „Denn’s Biomarkt“

Essen in der Einrichtung fiel weg, weil trockener Reis/trockene Nudeln oder Kartoffeln nicht so meins sind. Convenience-Produkte auf Vorrat halten, um den Reis dann ggf. aufzupeppen fällt aufgrund der Verpackung auch weg. Am Abend vorkochen und dann mitnehmen? Möglich, aber viel Aufwand. Und manchmal gab es eben auch einfach keine Reste bzw. nichts, was ich am nächsten Tag hätte warm machen können. Mal davon abgesehen, dass ich keine Mikrowellen mag und im Topf in der Küche ist das auch nicht möglich, da Hygienebereich. Eine Teeküche für Mitarbeitende gibt es leider nicht.

In der Theorie bleibt die Möglichkeit, auf Backwaren von der Bäckerei zurückzugreifen, sofern dort Tüten ohne Kunststofffenster benutzt werden. Das Angebot an veganen Artikeln ist aber auch dort überschaubar: Brötchen und Brot. Selbst beim Laugengebäck wird „Milch“ als Allergen deklariert, wieso auch immer dort Milch drin ist. Sämtliche belegten Brötchen sind mit Käse, Butter und/oder Remoulade. Bei den Süßwaren ist es gleich ganz vorbei. Es blieb dann bei Kaffee (abgefüllt in meinen mitgebrachten Becher) und trockenen Brötchen bzw. Brötchen mit wechselnden Aufstrichen.

Auch abseits des Arbeitsalltags waren die Einschränkungen spürbar. Essen bestellen war ja de facto ganz vorbei, mal abgesehen von Pizza (da Pappkarton), die Menge an Lieferdiensten mit veganen Käsealternativen beläuft sich in meinem Einzugsgebiet aber auf exakt 0. Das konnte ich also auch abhaken. Das ganze leckere asiatische und indische Essen war ebenfalls raus, da in Unmengen an Kunststoff verpackt. Es blieb also nur auswärts essen, falls mal keine Zeit zum Kochen war oder wir zu faul sind (was bei 10 Stunden außer Haus am Tag schon mal vorkommen kann). Shame on me.

Zuhause auch nur Scherereien: Ich bin halt der „Depp“, der sich das antun möchte, aber stehe mit der veganen Zusatzoption eben alleine da. Hm. Nach dem dritten Abend, an dem ich mich beim Essen gelangweilt habe bzw. wir nicht gemeinsam essen konnten/wollten, habe ich mir gedacht:

„Ich gebe auf!“

Nein, nicht alles. Aber mein Zusatzziel „vegan“ habe ich nach zwei Wochen abgebrochen. Ich verzichte, so gut ich kann, aber komplett und so dogmatisch, wie es mein Anspruch wäre? Nein. Nicht ohne Plastik, ohne Palmöl. Ich musste mich auf meine Kernaufgabe konzentrieren: Die Verpackung.

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