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„Der Papst ist da. Ich aber nicht.“ Teil 2: Prostituierte

Am gleichen Abend oder einen Tag später, ich bin mir nicht mehr sicher, sind wir von unserer gewohnten Strecke abgewichen und wollten die Straße mal in die andere Richtung hinunterlaufen. „Mal sehen was dort noch so ist“, dachten wir uns.

Vorab: In Angeles wohnen ziemlich viele weiße Männer. Aber nicht die jungen, erfolgreichen, die wegen eines Jobs hier herkommen, sondern vorzugsweise die „alten Säcke“. Die Rentner aus aller Herren Länder, die hier ihren Lebensabend verbringen und sich, das machen leider die meisten, noch mal eine junge Frau suchen. Einige Filipinas nehmen das natürlich gerne an. Ich gehe hier nicht so weit ins Detail, das ist einen eigenen Beitrag wert. Ich wollte nur kurz aufklären.

Von einer Kollegin hat Mimi schon gehört, dass es in Angeles ein ausgeprägtes Rotlichtmilieu gibt. Auf dem Weg von der Mall zu unserem Hotel kommt man an einer Hand voll Etablissements vorbei, was aber nicht sonderlich aufdringlich wirkt oder den Eindruck macht, man sei hier in einem sündigen Loch gelandet. So kam es auch, dass wir nach unserer ersten Rückkehr aus Angeles (im Dezember) davon ausgingen, die Gerüchte um diesen Ort seien alle maßlos überzogen.

Falsch.

Wir gingen die Straße also in die andere Richtung. War das Straßenbild auf „unserer“ Seite der Kreuzung noch geprägt mit kleinen Shops, einem Supermarkt, kleinen Restaurants und so weiter, bot sich ab hier ein anderes Bild. Die Namen der bunt leuchtenden Häuser wurden eindeutiger, die Damen auf dem Bürgersteig auch. Nach etwa 50 Metern kamen wir an einen Bereich, wo die Straße endete. Stolz prangte das Schild über dem Weg, dass uns in der „Walking Street“ begrüßte. Wer jetzt eine an eine typische Fußgängerzone denkt, ist aber leider fehlgeleitet.

(Quelle: http://alibi.com/image/pix_id/35345/Fields-Avenue-in-Angeles-City-Philippines-Bernal.jpg)

Es reihten sich schier endlos Bordell an Bordell, zwischendurch Streetfood und ein paar Bars/Restaurants, damit die Leute nicht verhungern. Vor jedem Laden Unmengen an jungen Filipinas, aufgereiht wie für ein Klassenfoto. Das letzte Klassenfoto kann auch bei den meisten Damen noch nicht lange her sein: Ich schätze die Altersgruppe über 20 war da eindeutig in der Unterzahl.

Wir waren auf der Suche nach einer Lokalität zum Essen und liefen die Straße einmal komplett ab, leider erfolglos. Die Läden hier waren an die Amerikaner, Europäer und Japaner gewöhnt, die das Straßenbild prägten, und auch dementsprechend teuer. Für uns auf jeden Fall zu teuer. Für gute Sachen gibt es auch gutes Geld, aber für durchschnittliches Essen den überteuerten Touribonus zahlen? Nicht mit uns.

Mimi und ich waren von dem Anblick der sich uns dort geboten hat, bewegt. Mir fällt dazu nicht viel ein. Ich habe da viele Leute in meinem Alter (25-35) gesehen, die ganz offenkundig aus einem bestimmten Grund dort sind. Ich habe viel darüber nachgedacht, wie abartig ich das finde. Ich habe keinen Freund, von dem ich weiss, dass er das tun würde. Ich würde das auch irgendwie befremdlich finden. Ganz sicher würde ich die Moralkeule schwingen, endlose Diskussionen führen und ganz sicher würde entsprechender Freund auch irgendwie einen Kratzer im Ansehen davontragen. Und mag das im Frankfurter Bahnhofsviertel schon schlimm genug sein, in ein Entwicklungsland zu fahren um das alles dann noch verhältnismäßig „günstig“ in Anspruch nehmen zu können, finde ich einfach unglaublich verabscheuungswürdig.

Aber das alles ist ein langes und vielfältiges Thema, das kann und sollte hier an dieser Stelle nicht zu weit ausgebreitet werden.

Die anderen Tage in Angeles waren geprägt von Essen, noch mehr Essen und Faulenzerei. Ich genieße jeden Hotelbesuch ob der warmen Dusche und des TVs. Wenn man selbst keinen besitzt und quasi nie fernsieht, ist es jedesmal etweas Besonderes, Zugriff auf PayTV Kanäle zu haben.
Die Rückfahrt nach Manila planten wir für Sonntag, da am Montag nochmal ein straffes Papst-Programm geplant war und wir die entsprechenden Sperrungen vermeiden wollten. Außerdem ist es schön, noch einen Tag in der eigenen Wohnung zu haben und nicht direkt früh aufstehen zu müssen, wenn man Abends erst spät angekommen ist. Die Entscheidung war richtig, wir kamen gut durch und mussten uns keine Sorgen um Verkehrschaos machen.
Achja: Den angebrochenen Sonntag nutzte ich auch noch für etwas Sinnvolles: Da wir mit dem Bus bis zur Mall of Asia gefahren sind, durchkämmte ich noch mal alle Geschäfte nach einem neuen Smartphone. Diesmal wurde ich auch fündig, die Suche hatte ein Ende.

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