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frankfurt. welt.

Voll motiviert ans Werk

So, ohne Plastik also.

Die erste Anlaufstation war der örtliche Unverpacktladen, den wir kurz vorher schon mal ausgecheckt haben, um uns besser auf den Einkauf vorbereiten zu können. Mit allerlei Gläsern und Containern und Beuteln sind wir dann dort hin aufgebrochen und haben versucht, uns einzudecken.

Bei Nudeln (Beispiel: Penne, Vollkorn, Bio-Qualität, 3,90 EUR/kg) blieb die Überraschung aus, das ist ja so ein Klassiker an den man sofort denkt. Sieht man ja auch immer in diesen ganzen Fernsehsendungen über solche Geschäfte, wie sich da Säulen voller Nudeln und getrockneter Hülsenfrüchte aufreihen. Den Preis empfinde ich übrigens als fair und gerechtfertigt.
Darüber hinaus findet sich dort aber eigentlich alles, was man benötigt. Egal ob Schokolade, Getreide, Nudeln, Hülsenfrüchte, Müsli, Mandelmus, Tofu (frisch, in Papier eingeschlagen), Molkereiprodukte (frisch, in Gläsern und Flaschen), Backzutaten, Weingummis, Putzmittel, Waschmittel, Körperpflegeprodukte und so weiter, und so fort. Der positive Nebeneffekt ist, dass man auch gleich in einer guten Qualität einkauft.

Ich möchte an dieser Stelle aber so ehrlich sein und sagen, dass uns viele Produkte aber dann doch ein bisschen zu teuer waren. Wir sind dann den anderen Weg gegangen, der einem einfällt, wenn man keine lohnenswerte Alternative findet: Wir haben auf vieles einfach verzichtet. Naja, fast. Beim ersten Mal haben wir diese total leckeren Cashew-Nüsse mit indischer Gewürzmischung gekauft, dabei aber leider ein bisschen das Gewicht aus den Augen verloren („Ja komm, die Box lass mal voll machen!“). Das Ende vom Lied waren dann Cashews für über 20 Euro. Joa. War aber lecker, immerhin.

Der erste Einkauf hat schon viel abgedeckt, aber die wahre Herausforderung stand uns noch bevor: Einkaufen im Supermarkt.

Fühlen, raten, fühlen, raten

Im konventionellen Supermarkt sieht das dann alles ein bisschen anders aus. Ungefähr 4/5 aller Produkte fallen durch das Raster, da deren Verpackung, wenn auch nur teilweise, aus Kunststoff besteht. Wenn man dann noch das Vegan-Kriterium anlegt, wird es kritisch.
Ich habe mich also mit allerlei Aufstrichen in Gläsern eingedeckt, obwohl ich eigentlich kein Fan von Aufstrichen bin. Die schier unendliche Vielfalt an Geschmacksrichtungen war dann aber Motivation genug. Erstmal.

Im Bereich von Obst und Gemüse hat sich in den letzten Jahren schon einiges getan, dankenswerterweise, von „Perfekt“ sind wir da aber noch weit entfernt. Tomaten sind so ein typisches Folienprodukt, Salate ebenfalls. Die Bio-Gurke hat es mittlerweile aus ihrem Folienmantel herausgeschafft, dem Brokkoli bleibt das (meistens) noch verwehrt.

Marmeladen sind selbsterklärend, veganes Streichfett war dann aber echtes Hexenwerk. Palmöl ist ja schon seit vielen Jahren aus diesem Haushalt verbannt, was die Auswahl enorm einschränkt. Vegan, ohne Kunststoffverpackung und ohne Palmöl ist eine Kombination, die im Bereich der Streichfette nicht lösbar ist.

Am Tiefkühlregal ging dann das große Raten los. Ich bin mittlerweile ein Experte darin, durch Fühlen und Hören herauszufinden, ob sich hinter einer Kartonumverpackung noch eine Folie befindet oder nicht. Ja, sicher, man braucht keine TK-Ware, aber wenn man schon mal dabei ist, den Markt zu sondieren, gehört das irgendwie auch dazu.

Glücklicherweise hatten wir uns ja schon mit enorm vielen Snacks im Unverpacktladen eingedeckt, denn die normale Welt der Knabbereien und Süßigkeiten blieb uns erstmal verwehrt. Auch bei den Getränken reduziert sich die Auswahl ganz drastisch, wenn man nur noch auf Glasflaschen setzt.

Ein erstes Fazit

Der Start war alles in allem gelungen. Viele Gewohnheiten muss man ändern, auf einiges auch verzichten. In jedem Falle muss man tiefer in die Tasche greifen, wenn man es konsequent umsetzen möchte. Wie das wohl weitergeht? Man darf gespannt sein.
Noch etwas am Rande: Wie viele Fairtrade- und Bio-, aber auch bioland-, Naturland- und demeter-Lebensmittel einfach unfassbar schlecht verpackt sind. Bis auf ganz wenige Ausnahmen (Müsli von Bauck für ein kleines Vermögen, aber in kompletter Papierverpackung) findet man überall nur Kunststoff. Für mich unverständlich, wie ich mir nachhaltige Landwirtschaft auf die Fahnen schreiben kann, wenn ich gleichzeitig so fahrlässig mit meinem Verpackungsmaterial umgehe. Aber das ist eine Frage für einen anderen Tag.

Bis dahin!


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