Wrocław (Breslau)

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Nach einer stundenlangen Fahrt mit einem polnischen Regionalzug (sehr alt) kamen wir am Bahnhof in Wrocław an (sehr neu). Wir besorgten uns einen Stadtplan an der Touristeninfo im Bahnhof und versuchten uns zu orientieren. Auf Nachfrage, welche Tram wir zum Hostel nehmen können, zeichnete uns die Dame den Fußweg bzw. die Tramstation auf unserer Karte ein. Das war ziemlich freundlich, wir waren trotzdem zu doof, um die Station zu finden und setzten uns zu Fuß in Bewegung.
An der nächsten Station angekommen, wollten wir dann doch die Tram nehmen. Es war ziemlich warm und unsere Rucksäcke wurden mit jedem Meter schwerer. Problem: Ich fand zwar einen Ticketautomaten, der wollte allerdings nur Münzgeld. Beim Abheben von Zloty am Geldautomat bekomt man aber leider nur Scheine. Ich versuchte mehrfach die Bezahlfunktion mit dem Geldschein, dieser wollte aber partout nicht erkannt werden. Also Rucksack wieder auf und weitergelaufen, die Schwarzfahrt wollten wir nicht riskieren.

Nach etwa einer halben Stunde kamen wir am Hostel an und hatten schon einen ersten Eindruck von der Altstadt gewinnen können. Diese Stadt ist so unglaublich schön! Der Check-In im „Central Hostel“ verlief problemlos, die Lage war wirklich sehr zentral und unser Zimmer auch sauber und ordentlich. Einzig die Dusche war ein bisschen gewöhnungsbedürftig: Je zwei Duschkabinen für jedes Geschlecht teilten sich einen gemeinsamen Raum. Beim Duschen gab es ja einen Vorhang, kein Problem, aber danach? Ich fand es ziemlich strange, alle anderen wohl auch. Jeder hat die Tür hinter sich abgeschlossen wenn er unter der Dusche stand, was die zweite Dusche im Raum immer etwas obsolet hat werden lassen.

Schon zwei Absätze und noch kein Foto? Ja, leider. Ich werde euch auch weiterhin enttäuschen müssen: Breslau war so schön, ich habe mich geweigert, irgendwelche Bilder zu machen. Ihr müsst da schon selbst hinfahren. Weil mir das aber auch ein bisschen leid tut und meine Dienstleistungsattitüde darunter leidet, könnt ihr auch einfach >>hier<< klicken und euch ein paar Bilder ansehen. Leider geben die Bilder aber nicht das wieder, was mir dort am Besten gefallen hat: Die Atmosphäre, das Flair. Diese Stadt ist touristisch noch lange nicht so überlaufen wie beispielsweise Prag (oder Krakau, dazu aber ein anderes Mal) und strahlt so etwas offenes, jugendliches aus. Außerdem gibts dort eine gute Auswahl an vegetarischen und veganen Restaurants (die allesamt ziemlich, verzeiht mir das Wort, „cool“ sind), unzählige Bars, die zum Verweilen einladen und eine wunderschöne Altstadt in der man nicht so abgezockt wird wie anderswo. Für alle Reisenden noch ein Hinweis: Da Breslau im Jahr 2016 Kulturhauptstadt Europas sein wird, hat man dirt noch bis Ende 2016 freien Eintritt (!) in die Stadthalle und das historische Museum. Letzteres deckt nicht nur die Stadtgeschichte ab, sondern widmet sich auch zu einem großen Teil der Besatzung durch deutsche Truppen und dem ganzen Mist, der dartaus resultierte. Ich fand das ziemlich interessant, zumal man sehr viele Exponate zu sehen bekommt. Und das für Lau. Guck mal hier, Prag, so kann man das auch machen!

Die restliche Zeit war geprägt von der Teilnahme an „Free Walking Tours“, wie wir das eben so machen. Ziemlich interessant, empfehlenswert und auf jeden Fall das (freiwillige) Geld wert. Darüber hinaus mussten wir natürlich die Restaurants durchtesten, die allesamt eine gute Note abstauben konnten. Was mir hier besonders gefällt: Am besten Platz der Stadt, mitten im Zentrum der Altstadt (Rynek) gibt es ein großes veganes Restaurant, das „Vega“. Unten hat das Kantinenflair, brav anstellen, auswählen und Essen ausgeben lassen, im oberen Bereich kann man sich gemütlicher hinsetzen und von der Karte ordern (wenn ich das richtig verstanden habe). Die Auswahl geht über Klassiker wie Burger, Salate, Wraps bis hin zu klassischen Speisen wie Hackbraten mit Knödel (kein Scheiß!) und anderen Köstlichkeiten der guten Hausfrauenküche. Natürlich vegan. Das Publikum hier war so bunt gemischt, ich bin noch immer begeistert. Neben dem typischen Klientel tummelten sich hier auch viele ältere Ehepaare, die, hätte ich sie einschätzen müssen, ich hier niemals hingesteckt hätte. Ganz besonders ist mir ein Mann in Erinnerung geblieben der alleine dort war, bestimmt über 70, und dort zu Mittag aß. Da soll noch mal einer sagen, vegane Restaurants seien so speziell und ließen sich nicht problemlos integrieren.

Ich könnte noch stundenlang weiterschwärmen, höre an dieser Stelle aber auf. Ich spreche nochmal die Empfehlung aus: Wer mal einen schönen Kurztrip in eine Stadt machen möchte, der sollte sich mal Breslau auf den Schirm rufen. Es wird sich lohnen, ganz bestimmt!

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