Reis und Berge. Und Reis. Und Berge. #2

Nachdem ich mir mehrere Morgenkaffee eingeflößt und ausgiebig (und gut) gefrühstückt habe, haben wir unser Zimmer bezogen. Es war erst 9 oder 10 Uhr und der Tag wartete darauf, von uns erobert zu werden -wir passten aber. Zu groß war das Schlafdefizit und zu weich und gemütlich das Bett.
Nach einem kurzen zweistündigen Nickerchen haben wir uns dann noch auf den Weg gemacht. Die Besitzerin unserer Unterkunft hat uns eine kurze Einweisung in die verschiedenen Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten der näheren Umgebung gegeben. Wir entschieden uns für eine Wanderung durch die Reisterrassen, vorbei an einem kleinen Dorf (in dem laut Reiseführer Schnitzereien verkauft werden) und wieder zurück nach Banaue. Unser Zeitansatz lag bei ca. zwei bis drei Stunden, also nicht viel mehr als ein ausgedehnter Spaziergang. Was wir sahen war retrospektiv sehr unspektakulär -für den Moment aber wunderschön. Ich war ja noch nie in dieser oder einer vergleichbaren Landschaft unterwegs, das Wetter war sehr schmeichelhaft und meine Laune auf einem guten Level. Der Naturboost war nach der Busfahrt gleich doppelt so intensiv.

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Unser Spaziergang, der sich im nachhinein als mehrstündige Wanderung entpuppte, führte uns durch die Hanglagen der kleineren Reisterrassen, verzweigte sich mehrfach in beinahe waldähnlichen Gebieten und endete schließlich in dem kleinen Dorf, das wir uns als Zielort auserkoren hatten. Bis hierhin waren schon rund anderthalb bis zwei Stunden vergangen, unser Fitnesslevel also auf einem guten Weg.
Auf den letzten Metern ins Dorf schauten wir einem älteren Mann zu, ich schätzte ihn auf über 70, der sein Feld in Schuss hielt: Er schaufelte unaufhaltsam den schlammigen, lehmigen Boden auf, um eine neue Feldbegrenzung zu formen (so wie auf den Bildern oben). Die Arbeit sah sehr mühselig und anstrengend aus, unweigerlich musste ich an viele über 70jährige in Frankfurt denken, die dazu nicht mehr in der Lage gewesen wären. Ich will nicht mit den Leuten hier tauschen, aber was den körperlichen Verfall angeht ist man hier oftmals noch besser gewappnet als bei uns in den Industrienationen.

Die angepriesenen Schnitzereien fanden wir in diesem Dorf allerdings nicht. Wir wurden von einer Horde Kindern begrüßt, die uns neugierig beobachteten. Obwohl Banaue ein beliebter Touristenspot ist, scheinen sich in dieses Dorf nur sehr selten Fremde zu verlaufen. Die restlichen Leute grüßten uns auch sehr nett, als wir uns den Weg durch ihr Dorf bahnten. Der Anblick hatte ein bisschen was klischeehaftes von den Siedlungen, die man oft in Dokumentationen auf ARTE sieht. Zwischen den traditionellen Hütten, nach Bauart ihrer Vorfahren, schlängelten sich festgetretene Pfade. In der Mitte der Siedlung gab es eine Art Versammlungsplatz. Die meisten Leute waren an ihren Häusern beschäftigt, die Kinder spielten und ein paar ältere Frauen haben Dinge von A nach B getragen. Wir fühlten uns ein bisschen wie Eindringlinge, weshalb wir uns relativ schnell einen Weg aus dem Dorf heraus suchten.

Auf der anderen Seite des Dorfes, wir vermuteten hier einen Rückweg, machten wir eine kurze Rast. Auf den, hier recht steilen, kleinen Reisterrassen um uns herum spielten kleine Kinder, keines älter als 5, und bewältigten die Höhenunterschiede ohne jegliche Anzeichen von Angst oder Anstrengung. Ich beneide die Kinder ein bisschen. Zum einen, weil mir Höhen selbst etwas ausmachen, zum Anderen weil ich durch meine bisherige Berufserfahrung nur das Gegenteil kennenlernen durfte. Natürlich, der Vergleich hinkt, hier bei diesen Leuten gibts kein Ipad, kein Internet, keine Filme. Vor allem nicht für Kinder im Kindergartenalter. Aber die Kinder hier können sich noch auf das Wesentliche besinnen: Klettern, Laufen, Spielen, Körpererfahrungen sammeln.

Während ich darüber nachdenke (und mich ein bisschen erhole), zieht ein Gewitter auf. Wir machen uns auf den Rückweg, der nicht minder beschwerlich ist. Es fängt an zu regnen, nicht übermäßig stark, aber ordentlich genug. Obwohl es warm ist, fange ich an zu frieren. Hier in den Bergen geht irgendwie immer eine Brise, meine nasse Kleidung erledigt den Rest. Ich lasse mich aber nicht entmutigen, irgendwie genieße ich das Wetter auch. Die Aussicht auf ein heißes Getränk in unserer Unterkunft stimmt mich froh. Ein Blick zurück zeigt das letzte Stück, dass wir eben aufgestiegen sind.

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Den restlichen Tag gönnten wir uns Ruhe, bevor wir uns dem Abendessen widmeten. Auch hier konnte Bea und ihre Küche uns überzeugen. Die Portionen waren ausreichend, die Preise sehr fair. Wir erkundigten uns nach den Optionen für den nächsten Tag und beschlossen, uns am Vormittag mit dem Tricycle an die Terrassen von Hapao (Hungduan) fahren zu lassen. Was dort alles passiert ist, erzähle ich beim nächsten Mal.

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