Episode 2 – Die Tunnel von Cu Chi

Während des Vietnamkrieges sahen sich die Amerikaner im Saigon vielen Guerillaangriffen ausgesetzt, ohne den Ursprung dieser Kämpfer jemals beseitigen zu können. Der Grund dafür liegt in der Gegend um Cu Chi begraben, im wahrsten Sinne des Wortes, denn dort entstand in mehreren Jahrzehnten, während andauernder Kampfhandlungen, ein gigantisches Tunnelsystem, welches den Einwohnern aka Widerstandskämpfern als Schutzbunker und Lebensraum galt.

Klingt interessant? Fand ich auch. Die einfachste Möglichkeit um die Tunnel zu besichtigen ist das Buchen einer Tour. An jeder Straßenecke in Ho Chi Minh findet sich irgendein Reiseveranstalter oder zumindest Zwischenhändler, bei dem man einen Slot für eine solche Tour erwerben kann. Wir entschieden uns, entgegen unserer üblichen Abneigung, für eine solche Tour und buchten beim Platzhirsch „Singhtourist“, dem ehemaligen Singh-Cafe. Immerhin haben die ja eine Reputation. Dachten wir.

Touritour mit Hindernissen

Der Tourpreis für die große Tour (ein kompletter Reisebus mit ca. 45 Personen) lag bei 99000 Dong, also ca. 4 EUR. Der Tourpreis gilt für den Transport (ca. 2 Stunden pro Strecke) und den Guide, den Eintrittspreis von 110 000 Dong muss man dann noch selbst entrichten.
Es gibt ab HCMC auch Touren in kleineren Gruppen (4-6 Personen), da liegt der Preis dann aber auch bei 400000 Dong pro Person, also rund 16 EUR. Wir waren an dieser Stelle aber sparsam, schließlich haben wir noch ein paar Monate vor uns. Was soll schon groß der Unterschied sein?

Am Freilichtmuseum angekommen, konnte ich mich schon zum ersten Mal aufregen. Unser Guide erzählte uns, dass er alleine heute für ZWEI Gruppen, also zwei komplette Busse verantwortlich ist. Auch wenn der zweite Bus kleiner war, war das kein großer Trost. Wir stapften also mit rund 60-70 Leuten in die Anlage, in der es vor anderen Gruppen nur so wimmelte.

Die Tour startete mit einem Videofilm, den wir nur halb mitbekommen haben, weil es einige Minuten dauerte, bis wirklich jeder der Riesengruppe sich in einen Pavillon zu einer anderen Riesengruppe gesetzt hat, die den Film schon zu einem Drittel oder mehr gesehen hatte. Wir dachten, wir kriegen einen Neustart wenn der Film vorbei ist, diese Einschätzung stelle sich aber als falsch heraus. Ein halber Informationsfilm ist ja auch schon mal was, nicht wahr?

Schon mal was bei ALDI gekauft und dafür angestellt?

Nein? Ich auch nicht. Aber so ungefähr lief das hier auch ab. Der Guide, dessen Englisch übrigens noch stark ausbaufähig war, fackelte nicht lange und stapfte zu seinem ersten Fixpunkt -einem ursprünglichen versteckten Tunneleingang. Ich sah davon erstmal nichts, weil ich im Gedrängel und Geschubse der Masse, die sich um einen 3m Radius schob, nicht mitmachen wollte. Dazu später nochmal mehr.
In jedem Falle bewerben Prospekte des Freilichtsmuseums dieses Loch als etwas, dass man selbst erfahren kann. Kann man bestimmt auch, aber nicht in dieser Gruppe. Ein Mitarbeiter vor Ort hat uns den Eingang „vorgeführt“, das wars. Selbst reinklettern ist nicht, hätte auch viel zu lange gedauert bei zwei (!) Reisegruppen. Als der Guide mit der Meute zum nächsten Halt weitergetrabt ist, kam ich dann auch mal dazu, ein Bild zu machen. Leider habe ich dadurch die gesamte Erzählung beim nächsten Haltepunkt verpasst. Toll!

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Besagter Tunneleingang.

Meine Laune hielt sich also in Grenzen. Das wurde auch danach nicht besser, weshalb ich nach wenigen Minuten das Fotografieren auch wieder eingestellt habe. Ich hatte keine Lust mehr, mich mit den Koreanern um den besten Platz zu prügeln.

Zu allem Überfluss sah ich dann auch noch die kleinen Gruppen, die sich für alles mehr Zeit nehmen konnten, deren Guide ein viel bessere Englisch sprach und die die Möglichkeit hatten, auf ihren Ablauf ein bisschen Einfluss zu nehmen. So ist das eben, wenn man am falschen Ende spart.

Der Rest der Tour war ähnlich. Wir hetzten von einer Station zur nächsten, bekamen oberflächliche Informationen und mussten zusehen, überhaupt etwas zu Gesicht zu bekommen. Kurz vor dem Ende hatten wir noch die Gelegenheit, ein kleines Stück des Tunnels zu begehen -selbstverständlich auf unsere Maße vergrößert und nicht mehr im Originalmaßstab (der dann aber auch nur schwer begehbar wäre).Durch das Gedrängel und „Kopf an Arsch“ bei der Tunnelbegehung, kam aber auch hier keine rechte Freude auf.

Ich würde eine Kleingruppe empfehlen. Oder aber, das ist wohl die beste Idee, auf eigene Faust anreisen und die Reise so planen, dass keine Gruppen mehr da sind. Also den Vormittag meiden und erst später das Gelände besuchen. Ich glaube, so hat man viel mehr davon.

Koreaner, mein neuer Endgegner!

Ich habe schon lange Probleme mit chinesischen Touristen, weil ich bei bisherigen Urlauben nur schlechte Erfahrungen mit entsprechenden Reisegruppen gesammelt habe. Bis zu diesem Ausflug waren chinesische Reisegruppen meine unangefochtene Nummer eins. Das hat sich jetzt geändert. Mindestens gleichauf sind jetzt auch koreanische Reisegruppen.

Verdient haben sie sich diesen Platz an diesem einen Tag. Da wird gedrängelt und geschubst ohne Rücksicht auf Verluste, ohne sich zu entschuldigen und vor allem ohne jegliche Skrupel. Egal, ob man irgendwo zuerst steht. Egal, ob man gerade ein Foto macht. Nein, einfach weghauen.
Und dann beim kleinen Snack, der dort angeboten wurde, wird sich sofort der Teller gekrallt und alles unter der eigeen Sippe aufgeteilt -scheissegal ob andere etwas bekommen. Zu guter letzt wird dann nicht nur doppelt gedippt (schon eklig), sondern mit dem angegkauten Dipmaterial auch zum vierten oder fünften Mal in den Pott gegangen. Lecker! Frisch gestärkt kann man dann wieder ans schubsen und drängeln gehen, während man alles mit lauthalsem Schreien begleitet. Und wenn der Guide was erklärt, tauscht man sich irgendwelche Geschichten aus (schreiend) und lacht laut. Hauptsache, niemand versteht etwas. Geil!

Ich saß also nach zweieinhalb Stunder wieder im Bus. Enttäuscht von der Tour und aggressiv wegen den Koreanern in meiner Gruppe. Das sollte die letzte Touritour sein. Ganz bestimmt.

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