Es folgt ein langer Textbeitrag.

Unglaublich.

Es ist jetzt 03:35 Uhr. In wenigen Stunden breche ich auf zum Flughafen. Ich habe es geschafft. Es ist soweit. Ich habe seit Wochen auf diesen Tag hingearbeitet. Und auf einmal -zack- ist dieser Tag da. Einfach so. Krass.

Erfolg mit Hindernissen

Die letzten 7 Tage waren allerdings nicht unbedingt das, was ich mir vorgestellt habe. In meiner Vorstellung habe ich mich auf meine „Farewell-Tour“ eingelassen, ein bisschen mit ein paar alten Freunden geredet, noch ein bisschen Computer gespielt, nebenbei die letzten Dinge erledigt und dann noch Zeit mit der Familie verbracht. So viel Zeit, so viel Zeit.
Dem war leider nicht so. Ich habe mich eigentlich nur abgehetzt. Klar, das war selbstgemacht, weil ich vieles bis zur letzten Minute aufgehoben habe. Manche Dinge ändern sich eben nie. Ich habe mich in diesem Punkt, wie schon hunderte Male zuvor, als absolut lernresistent erwiesen.

Freude und Stimmungsschwankungen

Am Freitag hatte ich meinen letzten Arbeitstag. Ich will hier ehrlich sein, ich wollte dort auch weg. Klar, die Kinder wachsen einem ans Herz und ich habe ein bisschen das Gefühl, den Einen oder Anderen im Stich zu lassen -aber das ist normal. Ich bin froh, den Absprung geschafft zu haben. Drei Jahre sind in meiner (Arbeitsleben-) Zeitrechnung eine große Spanne, es wurde einfach Zeit für Veränderung.
Die Kollegen und die Eltern haben sich nicht Lumpen lassen und mir je ein praktisches sowie auch sehr kreatives Abschiedsgeschenk gemacht. Auch über die ganzen Glückwünsche und interessierten Nachfragen habe ich mich gefreut -ich bin diese Art von Aufmerksamkeit nicht gewohnt und empfinde sie auch als unangenehm, kann aber nicht verschweigen, dass es auch ein wenig schmeichelhaft ist, so ausgefragt zu werden.

Den Samstagmittag verbrachte ich zum letzten Mal in Frankfurts Innenstadt. Das habe ich sehr selten gemacht, und mir wurde auch schnell wieder klar, wieso das so ist. Ich war aber zum Glück nicht alleine unterwegs, das hat den Nachmittag dann doch wieder aufgewertet.
Später am Tag war ich bei Eltern/Freunden zum Essen eingeladen. Das war so mein persönliches Highlight am Wochenende, darauf hatte ich mich schon länger gefreut. Ich hatte einen tollen Abend, das Essen war super und ich hatte seit längerem nicht mehr diese Art von „Sozialspaß“, falls ihr versteht was ich meine. Das war echt schön.
Als ich von dort nach Hause gegangen bin, hatte ich das erste Mal dieses Gefühl von Traurigkeit. Irgendwie…war es jetzt „schade“, weg zu gehen. Ich hab doch endlich Freunde hier in Frankfurt gefunden, nach all den Jahren. Und jetzt haue ich einfach ab?
Das Gefühl begleitete mich noch ein paar Tage, ebbte aber immer weiter ab. Die Vorfreude kam zurück an ihren Platz. Die Vorfreude auf all die Erfahrungen, die ich machen werde und natürlich die Freude auf Mimi. Oh Gott, ich kann es kaum erwarten. 125 Tage waren wir getrennt, endlich vorbei. Nur noch ein bisschen warten. 23 Stunden, um genau zu sein. Dann bin ich da.

Stressiger Endspurt

Der Sonntag stand ganz im Zeichen der Umzugskiste. Ich habe gepackt, gepackt, gepackt und gepackt. Später am Tag kamen meine Eltern und haben mit mir und meinem Mitbewohner das Gerümpel ins Auto getragen. Ich habe mich von „meiner“ Wohnung verabschiedet. Vielleicht werde ich sie niemals wiedersehen. Auf jeden Fall werde ich nicht mehr darin wohnen. Flashbackartig gin ich die letzten 3 Jahre in dieser Bude und die letzten 4 Jahre Frankfurt durch. Ich hatte eine geile Zeit. Und ich hatte auch Zeiten, die waren ziemlich scheiße. Aber im Grunde liebe ich diese Stadt. Goodbye Frankfurt. Bis bald!
Nach dem glorreichen Eintrachtsieg bekam ich noch Besuch von meinem Herzallerbestensuperjunge aus Köln. Die Produktivität fand das nicht so gut, war mir aber herzlich egal. Ich war sehr froh über seinen Besuch und die Zeit, die wir nochmal miteinander abhängen konnten. Das war super.
Am Montag und Dienstag dann der Endspurt. Versicherung klären (endlich mal endgültig!), die letzten Dokumente einscannen, noch ein paar Schriftstücke aufsetzen, noch Kisten verräumen, ein wenig Ordnung machen. Ich sags ganz ehrlich: Ohne meine Eltern hätte ich hier überhaupt nichts auf die Reihe gekriegt. Ich bin so froh, dass ich sie habe und so dankbar, dass sie mir bei allem bis hierher so mit ihrer Zeit, Geduld und kräftigen Händen unter die Arme greifen. Das ist keine Selbstverständlichkeit, ich weiss das wirklich zu schätzen.
Am Abend stand noch ein Hausbesuch an. Und das war wohl auch irgendwie der schönste Abschiedsmoment, den ich bisher hatte. Ich will es hier gar nicht breitpalavern, es war einfach nur ein guter Abend. Es gibt einfach Menschen, die habe ich in den letzten Jahren viel zu selten gesehen.

Schlaflos im Dorf

Hier sitze ich jetzt also, schlaflos. Hab mir die Zeit vertrieben mit einem Vollbad (das Letzte, für eine lange Zeit), dem Dateitransfer zwischen Desktop (bleibt hier) und Notebook (kommt mit), dem Internet und dem packen meines Handgepäckbeutels. Achja, Gepäck: Mein Rucksack ist zum Bersten vollgepackt. Ich wünsche ihm alles Gute für die Reise 😀
Und wie das immer so ist, wenn man die Nacht zum Tage macht: Kurz bevor man es geschafft hat, wird man müde. Es ist jetzt 04:08 Uhr. Ich werde mich nochmal für eine Stunde aufs Ohr hauen, bevor der Wecker losgeht.

Bitte verzeiht mir, dass ich mir das Korrekturlesen einfach spare. Und auch ein großes Dankeschön an alle, die ich hier nicht explizit aufgezählt habe. Ich denke jeder von euch weiss, was er mir bedeutet =)

Bis später!

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