Episode 8 – Ninh Binh

Wir kommen mitten in der Nacht in Ninh Binh an. Es ist 2 oder 3 Uhr morgens, ich weiss es nicht mehr so genau. Glücklicherweise haben wir unsere frühe Ankunft diesmal vorab angekündigt, weshalb uns der verschlafene Hotelmensch diesmal freundlicher begegnet, als derjenige welche in Kon Tum. Schnell ab unter die Dusche und dann ins Bett.

Nach einigen Stunden Schlaf besorgten wir uns, gegen Gebühr, bei unserem Gastgeber wieder einen Roller. Die Gegend um Ninh Binh ist bekannt für ihre Kalksteinformationen. So wie auch schon El Nido (Philippinen) oder die Ha Long Bucht (Vietnam) erheben sich die Felsformationen in den Himmel, nur eben diesmal nicht im Meer. Nur wenige Kilometer entfernt befinden sich zwei Flüsse, welche sich, vorbei an fruchtbaren Reisfeldern, durch diese Formationen schlängeln. Das war also auch für uns der Grund, hier einen Halt einzulegen.

Wir waren uns im Klaren darüber, dass diese Bootsfahrten auf dem Fluss massentouristisch ausgerichtet sind und auch dementsprechend etwas kosten. Ziemlich frech hingegen ist aber die Praxis, für den Naturpark Eintritt zu verlangen und die Bootsfahrt dann noch mal zusätzlich zu berechnen. Ersterer ist ohne Bootsfahrt nämlich ziemlich schlecht zu besichtigen. Wir entrichteten die ca. 9 EUR pro Person mit dem leichten Gefühl des Idioten und stellten uns in die Schlange für ein Boot.
Glücklicherweise ist die Hauptsaison schon vorbei und wir sind, durch unsere relativ späte Ankunft am Mittag, antiyzklisch unterwegs -dadurch ist es auf dem Fluss auch nicht überfüllt. Laut Reiseführer reihen sich die Boote an „guten Tagen“ nämlich sonst sehr dicht aneinander.

Eine Bootsfahrt die ist lustig…

Die Fahrt mit dem kleinen Boot war ziemlich entspannt und, wie man heutzutage sagt, entschleunigend. Die Landschaft war schön anzusehen, das Wetter war großartig und das sanfte Gleiten über das Wasser erledigte den Rest. Interessant sind hierbei die Ruderkünste der Bootsfrauen und -männer: Statt mit den Armen, rudert man hier traditionell mit den Beinen. Sieht auf den ersten Blick komisch aus, erfüllt aber seinen Zweck.

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Die Tour führt in eine Art Sackgasse und dann wieder zurück. Am Scheideweg warten andere geschäftstüchtige Damen mit ihren Booten und verkaufen Getränke und Snacks. Da es über 30°C hat und die Sonne scheint, habe ich nichts gegen eine Cola einzuwenden. Wie in Vietnam so üblich, sponsort man auch seinem Fahrer/Guide etwas. Hier wird mir das aber von der Verkäuferin abgenommen, dir mir ihren total überzogenen Preis entgegenblafft. Nach einigem hin und her zahle ich letztendlich die Hälfte (noch immer genug) und wir machen uns auf den Rückweg. Trotz unserer nonexistenten bzw. sehr geringen Sprachkenntnisse wird deutlich, dass sich die Bootsfrauen untereinander über ihre Ausbeute und unseren bezahlten Betrag austauschen.

Als wir wieder am Ein- und Ausstieg angekommen sind, werden wir Zeuge davon, wie eine andere Bootsfrau 20 000 Dong Trinkgeld entgegennimmt, sich dann aber noch darüber beschwert und lauthals noch mehr fordert. Dreist. Zumal die Bootstour ja sowieso schon Geld gekostet hat und die Leute dort auch ein dementsprechendes Entgelt verdienen -zusätzlich zu den Snacks und Getränken pro Tour. Ich gebe eigentlich gerne Trinkgeld, nur eben nicht mehr wenn man mich danach fragt. Als unsere Bootsfrau dann auch anfing „Tip! Tip! Tip!“ zu rufen, konnte ich nur seufzen und ging vom Boot. Selbst schuld.

Einfach mal rumfahren

Ich konnte mich gegen Mimi durchsetzen und bin ab hier gefahren. Wir entschlossen uns dazu, irgendwelche kleinen Dorfstraßen zurückzufahren, da ebendiese nah an den Felsen entlangführten. Im Endeffekt führte uns der Weg dann noch weiter und wir entschlossen uns kurzerhand dazu, noch die Tempelanlage von Bai Dinh zu besuchen. Das Gelände ist riesig, die Anlage auch ziemlich schön. Ich war nur an diesem frühen Abend leider nicht mehr so beigeisterungsföhig für die Hanglage, in der sich alles befindet. Viele Treppen und viele Steigungen später hatte ich dann aber das Gefühl, alles hier gesehen zu haben. Die nahende Dunkelheit ließ uns dann den Rückweg antreten.

Unsere vegetarische Allzweckwaffe, HappyCow, hat für Ninh Binh keine Einträge gezeigt, wir sind dann schlussendlich mit dem Roller durch die Stadt gefahren und haben verzweifelt nach einer passenden Lokalität gesucht. Was zum Glück immer geht und was es auch in fast jeder Stadt zu finden gibt, ist Pizza. So war auch hier die örtliche Pizzeria für diesen Abend unsere Anlaufstelle. Das Essen war nicht der große Hit, wir waren am Ende aber satt. Nach dem obligatorischen Joghurt-Smoothie-Saft-Mischgetränk-Absacker im Cafe nebenan sind wir zurück ins Hotel.

Der netteste Typ der Welt

Der Mann aus dem Hotel war schon am Vortag unglaublich freundlich, hat sich sehr viel Mühe gegeben uns weiterzuhelfen (trotz Sprachbarriere) und war ein Meister im Umgang mit dem Google Translator. Obwohl wir schon ausgecheckt haben, offerierte er uns noch seine Fahrräder, damit wir zum Frühstücken in den Ortskern fahren können.

Nach unserer Rückkehr (und einem enttäuschenden Frühstück im Waffelladen) bot er und die Dusche an (die wir dankend ablehnten) und servierte uns einen kalten Kumquatsaft (jedenfalls hielten wir es dafür). Er bot uns Stühle an und half uns, den passenden Bus anzuhalten, mit dem wir weiter nach Hanoi fahren wollten. Das alles mit einem unglaublich breiten Grinsen auf dem Gesicht und einer absolut ehrlichen Nettigkeit. Übrigens: Obwohl wir morgens um zwei angereist sind, wurde uns nur eine Nacht berechnet. Sehr kulant. Alles in allem war das die gastfreundlichste Unterkunft die ich jemals besucht habe. Wir haben uns mit einem entsprechenden Review dafür erkenntlich gezeigt 😉

Mit dem Bus geht’s nun weiter in die Hauptstadt, nach Hanoi, dem letzten Punkt unserer Vietnamreise. Wir haben noch gut 9 Tage „übrig“, weil wir uns beim Rest dann doch mehr beeilt hatten, als eigentlich nötig. Aber der Puffer ist ja nichts Schlechtes, zumal Miriam auch noch ein paar Freunde in Hanoi treffen will.

Bis dahin!

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